Island: Leitfaden zu aktiven Vulkanen und wie man sie sicher besucht
Die Insel, die brennt und gleichzeitig gefriert
Island ist geologisch einzigartig: Es liegt auf dem Mittelatlantischen Rücken (wo sich Europa und Nordamerika trennen) UND über dem Island-Hotspot (einem Mantelplume, der riesige Mengen Magma produziert). Das Ergebnis: eine Insel mit über 130 aktiven Vulkanen, Ausbrüchen im Durchschnitt alle 3-5 Jahre und dem für Nichtfachleute am leichtesten zugänglichen Vulkansystem des Planeten. Es ist nicht nur Geologie — es ist eine der visuell dramatischsten Landschaften der Erde.
Die wichtigsten Vulkansysteme
Halbinsel Reykjanes: Vulkanismus vor der Haustür
Die Halbinsel Reykjanes, auf der sich der Flughafen Keflavik befindet, hat eine spektakuläre vulkanische Wiedergeburt erlebt: Zwischen 2021 und 2024 brachte das Vulkansystem Fagradalsfjall 4 Eruptionen hervor, was diesen Vulkan zum am besten zugänglichen der Welt während eines aktiven Ausbruchs macht. Die schwarzen, glänzenden Lavafelder der Halbinsel können im Rahmen eines Tagesausflugs von Reykjavik aus besichtigt werden.
Eyjafjallajökull: Der Vulkan, der Europa lahmlegte
Der Ausbruch im Jahr 2010 legte den europäischen Luftverkehr wochenlang lahm und machte diesen Vulkan weltberühmt (auch weil sein Name für 98 % der Europäer unaussprechlich ist). Heute ruht er. Das Eyjafjallajökull Visitor Center in Þorvaldseyri erzählt die Geschichte des Ausbruchs durch die Augen der Bauernfamilie, die direkt daneben lebte — eines der emotionalsten und persönlichsten Vulkanmuseen Islands.
Hekla: Das Tor zur Hölle
Im Mittelalter glaubten europäische Theologen, die Hekla sei buchstäblich das Tor zur Hölle. Verständlich: Der Vulkan bricht etwa alle 10 Jahre mit minimaler Vorwarnung aus und erzeugt Aschewolken, die 15 km hoch aufsteigen. Der letzte Ausbruch war im Jahr 2000 — Wissenschaftler betrachten den nächsten als „überfällig“. Er kann mit zertifizierten Führern und unter seismischer Echtzeitüberwachung besichtigt werden.
Krafla und das Mývatn-Tal: Die Marslandschaft
Im Nordosten Islands bieten das Gebiet um den Myvatn-See und der Krafla-Vulkan die vielfältigste und am leichtesten zugängliche Vulkanlandschaft: Fumarolenfelder am Námafjall (wo die Erde kocht und nach Schwefel raucht), der Viti-Kratersee (gefüllt mit hellblauem Wasser), die Eruptionskegel des Hverfjall und das Leirhnjúkur-Lavafeld (teilweise während der Ausbrüche in den 70er-80er Jahren entstanden, an einigen Stellen noch warm).
Wie man Vulkane besucht: Sicherheitsregeln
- Überprüfen Sie immer das Icelandic Met Office (vedur.is) auf Updates zur vulkanischen Aktivität
- Nähern Sie sich aktiven Lavagebieten niemals ohne zertifizierten Führer und spezielle Ausrüstung
- Vulkangase (CO₂, SO₂, H₂S) sammeln sich in Senken an — verweilen Sie bei Windstille nicht in Fumarolengebieten
- Bringen Sie eine FFP2- oder P3-Maske für staubige Gebiete mit Vulkanasche mit
- Wanderschuhe mit steifer Sohle sind auf Lavafeldern Pflicht — frisch abgekühlte Lava ist scharf wie Glas
Vulkane fotografieren: Praktische Tipps
- Für glühende Lava bei Nacht: ISO 400-800, Verschlusszeit 1/60s, f/5.6 — für natürliches Feuer ist keine Langzeitbelichtung erforderlich
- Gegenlichtaufnahmen von Fumarolen bei Sonnenuntergang erzeugen dramatische Hintergrundbeleuchtungseffekte
- Verwenden Sie Polarisationsfilter, um die Blendung auf den glänzenden Oberflächen frischer Basaltlava zu reduzieren
- Schützen Sie Ihre Kamera mit Regenschutzhüllen vor Asche — Vulkanasche wirkt korrosiv auf Verschlussmechanismen